Die Kenterung

Lieber Leser,

Wie du sicherlich schon bemerkt hast ist es mir bisher gelungen Gabi und mich vor einer Kenterung zu bewahren. Heute war allerdings mein großer Tag.

Hier die Rahmenbedingungen aus dem Logbuch.

Wind: vier bis fünf Bouefort

Wellenhöhe ca. 40 bis 50 cm

Lufttemperatur 17°

Wassertemperatur 14°

 

Zu erst waren wir heute zu zweit draußen. Diese Windverhältnisse sind Katamaranwind! Der Evolution geht ab wie Schmidts Katze. Wir sind noch zu sehr im Trott von unserem Vision. Wir sitzen viel zu weit hinten und es droht uns der Überschlag nach hinten. Wäre zwar ein toller Stand eine Rolle Rückwärts mit dem Kat, kann aber auch ganz schön weh tun. Die neuen Rümpfe erfordern es, dass wir unser Gewicht weiter nach vorne verlagern. Die neuen Wave Rümpfe gleiten super über die Wellen. Hat der Vision am Bug geschäumt und Gischt nach allen Seiten verteilt, segelt der Evolution im Vergleich dazu recht trocken. Viel Gischt bedeutet auch Einbußen im Bereich der Geschwindigkeit. Es macht Spaß mit dem Evo über die Wellen zu zischen. Zu zweit haben wir ihn voll im Griff. Wir haben nicht einmal das Gefühl, dass wir in eine brenzlige Situation kommen.

Heute will ich es wissen. Den Vision konnte ich bei vergleichbaren Bedingungen alleine segeln. Ich will wissen ob dies auch mit dem Evo für mich möglich ist. Gabi habe ich an Land abgesetzt. In spannenden Momenten kann man natürlich nicht fotograpfieren, da hat man andere Sorgen. So müsst ihr meine Kenterung vor Eurem Geistigen Auge abspielen lassen. Ich hoffe, dass es mir gelingt die Kenterung gut zu beschreiben.

Nachdem ich Gabi bei uns am Strand abgesetzt habe, stellte ich unser Großsegel auf Starkwind ein. Unser Großsegel besitzt jetzt eine Lochplatte mit fünf Löchern und ich habe mich für das vorletzte Loch vor dem Mast entschieden. Ach ja, Grabner hat nun auch den Schäkel gegen den Katamaranhaken im Großsegel getauscht. Auch ein Ganz wichtiger Punkt gerade bei einer Kenterung, wie ich feststellen werde. Dieser Haken ist zwar nur ein kleiner Punkt der Veränderung, aber nicht zu unterschätzen. Ich glaube, dass ich diese Problematik auch schon mal erwähnt habe.

Ich bin in der Nähe des Ufers mit unserem Kat unterwegs, da Gabi mich und unseren Evo filmen sollte. Weiterhin hat dies etwas mit Sicherheit zu tun, wenn ich kentern sollte hänge ich nicht mitten auf dem See. Zurück auf dem Wasser, taste ich mich langsam an die Grenzen des Evolution ran. Er verhält sich viel spritziger als der Vision. Ich bin ganz schön gefordert. Ich werde mutiger und mit dem Mut steigt auch das Risiko. Ich hole die Großschot dichter , wusch ,eine Welle schießt über das Trampolin und springt mir ins Gesicht. Jetzt kommt eine Bö , wir nehmen immer mehr Fahrt auf der Luvschwimmer

( ist der Rumpf auf der Seite wo der Wind her kommt und auf dem ich sitze) steigt. Es wäre an der Zeit die Großschot zu öffnen, nur es will mir nicht gelingen. Der Luvrumpf steigt mit mir weiter und nun lässt sich die Physik nicht mehr überlisten. Ich muss mich aus dem Trapez ausklinken, klar zum Sprung ins Wasser. Dabei muss ich zusehen das ich zwischen Trampolin und Großsegel springe, sonst ist das Großsegel hin. Schon bin ich im Wasser, kurz eingetaucht und schon bin ich dank Trockenanzug und Schwimmweste wieder oben. Wo ist mein Boot? Ah, da zwei Schwimmzüge auf dem Rücken und ich bin am Katamaran. Mit meinem Kenterkissen am Mast war wohl Theorie. Mein Kat ist gleich durchgekentert. Auch gut, so habe ich wenigstens eine Insel auf der ich erst einmal kurz verschnaufen und meine Gedanken ordnen kann. Was sich hier so locker liest, passiert natürlich in Sekunden.

Mein Evo treibt nun kopfüber. Ich robbe mich auf das Trampolin, welches jetzt da das Boot auf dem Rückenliegt sich genau auf der Wasseroberfläche befindet. Es besteht kein Grund für Hektik. Uber Kopf ist der Katamaran eine super Insel. Als erstes rolle ich die Fock ein. Danach versuche ich die Aufrichtleine zu lösen. Das ist etwas tricki, da ich seitenverkehrt denken muss. Um auf diesen Trichter zu kommen brauche ich etwas, aber dann habe ich es. Die Leine über den Rumpf zu führen braucht auch etwas Zeit, aber dann habe ich auch diese Hürde genommen. Was ist noch zu tun? Ach ja, die Großschot muss noch ausgehakt werden. Das ist wiederum nicht ganz so einfach. Der Haken hängt zu tief ich komme da kaum an. Ich bin gezwungen mit dem Kopf abzutauchen, dann erreiche ich den Haken. Ich glaube wenn man das Großsegel nicht aushakt schafft man es gar nicht den Kat aufzurichten, da der Wasserdruck auf dem Segel einfach zu groß ist.

Alle Vorbereitungen zum Aufrichten sind getroffen. Nun kann ich mich im wahrsten Sinne des Wortes in das Zeug legen. Ich nehme die Aufrichtleine und stelle mich auf den Leerumpf. Die Aufrichtleine lege ich mir um meinen Oberkörper und lehne mich zurück. Es passiert eine ganze Zeit nichts. Dann merke ich wie sich der Kat ganz langsam bewegt. Ich schaffe es den Kat auf 45 ° aufzurichten. Jetzt müsste ich umfassen und mich wieder nach oben arbeiten, da ich selbst schon wieder im Wasser liege. Dies will mir nicht gelingen und ich rutsche ab und mein Kat kentert wieder durch. So, ein sch....! Noch einmal das Ganze .Wieder hänge ich bei 45° fest . Mittlerweile hat uns der Wind soweit an das Ufer getrieben, dass ich jetzt stehen kann und der Mast nicht mehr durchkentern kann. Aber aufgerichtet habe ich den Kat nicht bekommen. Zumindest kann ich jetzt sehen, dass mein Kenterkissen am Mast ausgelöst hat. scheinbar ist das Volumen der Gaskartusche zu klein, da muss wohl eine größere Kartusche rein. Im Stehen gelingt es mir den Katamaran wieder aufzurichten. Jetzt schnell den Rumpf in den Wind drehen damit ich in Ruhe die Leinen sortieren kann. Jetzt wäre es super wenn ich sechs Arme und Hände hätte, um alle Arbeiten gleichzeitig zu erledigen. Es ist schon ein Akt das Boot mit einem Arm gegen den Wind und die Wellen zu halten, während der andere Arm mit der Hand versucht die losen Leinen zu sortieren. Okay, halbwegs haben wir Ordnung im Leinensalat.  Ich drehe den Kat in den Wind und schwinge mich auf das Trampolin. Unser Großsegel hat die Eigenschaft gegen die Wanten zu stoßen, dies nutze ich um Fahrt aufzunehmen. Ich ziehe die Großschot ganz aus, um den Großschothaken wieder in die Lochplatte jetzt ganz vorne einzuhaken. Schnell die Pinne gegriffen und  eine Halse gefahren. Die Fock bleibt drinnen es geht jetzt nur unter geöffnetem Groß zurück Richtung Strand. Man bin ich kaputt nach dieser Aktion. Am Strand werde ich schon erwartet und bin dankbar für die helfenden Hände die mich an Land ziehen.

Eins hat mir die heutige Aktion klar gezeigt. Ich bin zu leicht um den Evolution bei diesen Bedingungen mit dem großen Segel sicher zu segeln. Vorallem bekomme ich ihn alleine nicht aufgerichtet. Wenn Gabi mit an Bord ist haben wir zwei gerade das Idealgewicht um den Evo hart segeln zu können. Auch das Aufrichten ist dann kein Problem. Wenn man weiß, dass man nach einer Kenterung problemlos wieder an Bord kommt, geht man auch gerne an die Grenzen. Weiß man allerdings , dass man den Kat alleine nicht aufgerichtet bekommt, segelt man eher mit angezogener Handbremse und das finde ich blöd.

Daher steht die nächste Investition schon fest. Ich werde mir das Sturmsegel für den Evo zulegen.

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