Werftbericht erster Teil

Die Klemmen müssen weichen um die Travelerschiene setzen zu können
Die Klemmen müssen weichen um die Travelerschiene setzen zu können

Mittlerweile ist Winter und unser Evo liegt zu Hause. Wie im letzten Blogbericht geschrieben stehen einige Umbauten an. Ich möchte hier gleich sagen; dass was wir hier betreiben, ist unser ganz persönliches Spleening. Der Evo, so wie er von Grabner geliefert wird, ist top. Da gibt es überhaupt nichts zu meckern oder zu verändern. Das was wir umbauen, ist unsere ganz persönliche Vorstellung von unserem Boot. Man kann es so machen wie wir,  muss es aber bei weitem nicht. Dies sei am Rande angemerkt. Was stand auf unserer letzten to du Liste? Der Gennaker soll in einen Rollgennaker umgebaut werden. Okay diesen Punkt haben wir bei der Segelmacherei Feldhusen in Kiel in Aufttrag gegeben. Ebenso die neue atmungsaktive Abdeckplane. Für Interessierte, die neue Abdeckplane kostet mich ca. 300 Euro. Also auch nicht viel mehr als die von Grabner. Das hat mich schon sehr erstaunt. Der Umbau des Gennakers kostet ca. 250 Euro.

Wobei hier angemerkt sei, der Gennaker Preis,  betrifft nur das Segel. Ich möchte den gleichen Anschlagpunkt wie bei der Tube verwenden. Unsere Überlegung war, genau wie bei der Tube ein zusätzliches Rohr an den Bugsprit zu installieren. Dafür eignet sich aus unserer Sicht am besten ein weiterer Bugsprit von Grabner. So habe ich noch einen Bugsprit bestellt. Dieser lag, wenn ich mich nicht irre bei 296 Euro. So nun haben wir alle Umbaukosten zusammen. Ich sage mal rund 1000 Euro. Hört sich viel an, aber im Vergleich zu einem neuen K4x für 11.000 Euro doch wieder günstig. Dies war ja eine von unseren Überlegungen an dem K4x Testwochenende. Geben wir viel Geld aus für etwas, was wir eigentlich schon besitzen oder geben wir etwas Geld aus und modifizieren wir unseren Kat.

Als weitere Modifikation stand die Travelerschiene an. Hier hieß es erst einmal genau das Gehirn einschalten. Wie sagte Ewald Grabner zu mir, jede kleinste Veränderung will gut überlegt sein !! Das ist bei mir wirklich manchmal so eine Sache. In meiner Euphorie übersehe ich manchmal eine Kleinigkeit und dann passt das Ganze nicht so recht.  Daher habe ich bei diesem Projekt Gabi ganz doll mit eingebunden, damit sie evt. Fehler entdeckt und mich darauf hinweist. Klappt ganz gut.

Zwei Große Bereiche müssen beim setzen einer Travelerschiene bedacht werden. Der eine Bereich gilt unserer Ruderblattaufhängung, die ja direkt auf dem hinteren Beam sitzt, und der Pinne selbst, die zur Zeit durch das Travelerdreieck läuft. Das Problem mit der Pinne hatten wir uns bei dem K4x ganz genau angesehen. Es geht dabei um den Drehpunkt. Es ist dabei egal ob der Pinnenausleger auf einer Schiene eines Doppelruders wie bei den meisten Kat´s sitzt oder wie bei uns zentral auf einem Ruderblatt. Beide Systeme befinden sich in der Neutralstellung mitte Boot. Das war für uns wichtig. Unsere neue Pinne wird etwas kürzer ausfallen als die Jetztige, da sie hinter dem Traveler liegt. Wir verwenden jetzt schon eine Teleskoppinne, so dass der etwas weitere Weg zum Steuermann kein Problem wird. Der einzige Nachteil wird sein, dass wir bei einer Wende, die Pinne jetzt hinter dem Traveler herumführen müssen. Das müssen  die großen Kat´s aber auch und der Vorteil der Travelerschiene überwiegt diesen Nachteil.

Wem dass hier alles zu kompliziert erscheint, es folgen noch Fotos, ich denke, dass man dann versteht was ich meine.

Unter die Aluleiste wurde noch ein Filzstreifen geklebt
Unter die Aluleiste wurde noch ein Filzstreifen geklebt

Was war noch einmal der Grund warum wir uns für diesen aufwendigen Umbau entschieden haben ? Das von Grabner eingesetzte Seilsystem als Traveler ist nicht schlecht. Es hat aber aus unserer Sicht einige Nachteile. Ein Nachteil ist der hoch angebrachte Großschotblock, wo wir die Großschot einklinken und wieder ausklinken.  Gabi hat ganz extreme Probleme die Großschot aus und vor allem wieder einzuklinken. Dabei habe ich die Klemme schon ganz nach unten gestellt. Wer es noch nicht gesehen hat, die Klemme kann in drei Positonen gestellt werden. Dazu muss nur ein kleiner Splint gezogen werden. Wir haben schon die tiefste Position eingestellt. Bei unserem Test des K4x konnte Gabi die Großschot ganz leicht ein und ausklinken. Es hat etwas gedauert bis wir darauf kamen warum Gabi hier das Gefühl von Kompfort verspürt. Der Großschotblock saß ganz unten an der Travelerschiene. Ich selber hatte immer Bedenken bei unserem alten System, dass ich mir die Finger klemme, wenn ich den Traveler bei ordentlich Druck im Segel noch verstellen wollte. Ganz gerne springt auch das Travelerseil mal in die Klampe auf der gegenüber liegenden Seite. Dann kann man den Traveler gar nicht verstellen sondern muss erst rüberturnen, das Seil aus der Klemme befreien und kann erst dann den Traveler verstellen. Das war beim K4x perfekt gelöst. So wurde die Entscheidung zur Travelerschiene getroffen.

Kaum zu erkenen, die Alluschiene die unter der Travelerschiene sitzt
Kaum zu erkenen, die Alluschiene die unter der Travelerschiene sitzt

Wir haben uns für eine Travelerschiene & Schlitten von der Firma Harken entschieden. Warum Diese ? Für mich ist Harken seit Jahrzehnten der Inbegriff für Regatta-Segelzubehör. Perfekt gearbeitet und ganz leichtgängig, das ist es was ich schätze. Die Schiene und den Schlitten haben wir bei Segelservice. com bestellt. Innerhalb von einer Woche waren beide Teile bei uns angekommen. Echt super !  Jetzt ging es an die Feinplanung. Wie schon erwähnt war die Halterung der Ruderanlage bei der Montage der Schiene zu beachten. Hier muss die Travelerschiene frei rüberlaufen, sonst kann ich die Ruderanlage nicht abbauen. Dies bedeutet, dass ich die Schiene unterfüttern muss. Ein weiterer Punkt war, dass die Schiene mit "M 5" Bohrlöchern geliefert wird. Ich benötige zur Befestigung 80 mm Edelstahlschrauben und Die gab es, wie soll anders sein nur in "M6". Ich wollte die Schrauben durch den Beam durchbohren. Auf der Feuerwache habe ich mit Kollegen Versuche mit Presshülsen gefahren. Ich konnte mir ein Bild davon machen, wie sich die Presshülsen im Beam verkeilen würden, dass gefiel mir nicht. Die Schiene muss wirklich Last aufnehmen, da hatte ich doch Bedenken, dass die Presshülsen dieser Belastung nicht stand halten. Diese Angst mag unbegründet sein, aber ich bin hier lieber auf der sicheren Seite. Somit wurde die Schiene mit Schrauben und Muttern befestigt.

Als erster Arbeitsschritt wurden die alten Travelerklemmen ausgebohrt. Danach wurde die Unterfütterung der Travelerschiene vorbereitet. Hierzu verwendete ich 5 mm starke Alustreifen aus dem Baumarkt und, um auf die nötige Höhe zu kommen, noch Filzstreifen die man unter Möbel klebt. So hatte ich die perfekte Höhe, um mit der neuen Travelerschiene über meine Ruderhalterung zu kommen.  Soweit die Theorie. Bei mir spukt im Hinterkopf immer noch die Aktion mit den Bugvertsrebungen rum!!  Bei der Ruderhalterung habe ich seitlich soviel Luft gelassen, dass man noch mit der Ruderhalterung hin und her jackeln kann, um sie ab zu bekommen. Die Ruderhalterung sitzt doch recht stramm auf dem Beam. Ob mein Plan aufgeht werde ich sehen wenn die Travelerschiene sitzt!

Nun müssen die M5 Löcher in der Travelerschiene auf M6 aufgebohrt werden. Hierzu verwende ich eine Standbohrmaschine. Dieser Part gelingt recht problemlos.

Befestigung der Travelerschiene
Befestigung der Travelerschiene

Nun kommt der spannende Moment. Die neue Travelerschiene wird mit der Unterfütterung auf den Beam gesetzt und ausgerichtet. Das Ganze fixiere ich jetzt mit kräftigen Schraubzwingen. Mein Plan lautet, dass ich jetzt die Löcher direkt durch die Schiene, die Verstärkung und den Beam bohre. Da darf nichts verrutschen, sonst passt es nachher nicht. Für diese Aktion wird die ganz große E-Bohrmaschine aktiviert. Mein Akkuschrauber ist für so eine Aktion nicht ausgelegt, da braucht es etwas mehr Wums. Nochmals alles kontrolliert, ob ich auch ja keinen Gedankenfehler gemacht habe. Denn Gedankenfehler machen kann ich ganz gut. Es sieht aber alles gut aus. Auch meine Crew, als "QM Beauftragte" kann keinen Fehler entdecken! Also los! Nachdem die ersten Löcher gebohrt sind fixiere ich diese mit den ersten Schrauben. Somit kann die Travelerschiene nicht mehr verrutschen. Jetzt noch die letzten 16 Löcher gebohrt. Das kostet aus der Hand doch ganz schön Kraft. Leider passt diese Einheit nicht unter meine Standbohrmaschine. Nachdem alle Löcher gebohrt und die Schrauben gesetzt sind, muss ich testen ob der Travelerschlitten sauber über die Schraubenköpfe hinwegläuft, oder ob ich sie noch etwas versenken muss.

Der Travelerschlitten hat gut Gewicht und macht einen sehr ordentlichen Eindruck. Auf der Unterseite des Schlittens, also auf der Gleitseite, sind eine Menge kleine Kügelchen eingelassen. Diese Kügelchen ermöglichen dieses ganz sanfte Gleiten über die Schiene. Irgendwie komme ich an die Innenseite des Schlittens und es springen mir 4 Kugeln entgegen und begeben sich auf die Flucht.

Der Travelerschlitten von unten mit seinen Gleitkugeln
Der Travelerschlitten von unten mit seinen Gleitkugeln

Na super! Hätte mich auch gewundert wenn alles reibungslos ablaufen würde. Immerhin muss ich bis jetzt nicht zum Baumarkt. Statt dessen kriche ich jetzt auf dem Kellerfußboden rum und suche die Ausreißer. Ich habe Glück nach etwa einer viertel Stunde habe ich alle 4 Kügelchen wiedergefunden. Jetzt schaue ich mir das Prinzip der Lagerung der Kügelchen im Schlitten genuer an. Ganz vorsichtig nehme ich mir den Schlitten vor. Ich muss das Prinzip verstehen um die vier Ausreißer wieder an ihren Platz zu bekommen. Aha, ein Bügel welcher im inneren des Travelerschlitten verläuft ist flexibel. Dadurch ist es möglich die Ausreißer wieder an ihren Platz zu drücken. Oben im Bild sieht man, dass zum Transport des Schlitten, wenn er nicht auf der Schiene sitzt, ein Schaumstoffkissen die Schiene erstetzt. Dadurch wird verhindert, dass sich die Kügelchen auf die Flucht begeben. Sollten doch mal Kugeln fehlen, kann man diese bei Harken nachbestellen. Sitzt der Schlitten ersteinmal auf der Travelerschiene können die Kügelchen nicht mehr verschwinden! Was wollte ich eigentlich? Ach ja, ich wollte testen ob der Schlitten sauber über die Schraubenköpfe in der Schiene läuft. Jo, das tut er ganz leicht und elegant, dass gefällt mir. Jetzt kann ich alle Schrauben richtig anziehen. Danach teste ich ob ich die Ruderblatthalterung vom Beam abbekomme. Jo, auch das geht, ich bin wirklich begeistert. Leicht ironisch merkt meine Crew an, dass ich nicht einmal bei dieser Aktion zum Baumarkt musste.

Die Anpassung der Pinne erfolgt, wenn ich den Kat im Garten aufbauen kann und das gekürzte Rigg steht. Am 16 März kann ich unseren Gennaker und alles Weitere in Kiel abholen. Bin schon richtig darauf gespannt.

Es kann auf Grund der Witterung sein, dass der Testaufbau erst nach Ostern stattfinden kann. Ich möchte Euch, liebe Leser, gerne die entsprechenden Fotos liefern. Daher rechne ich damit, dass der zweite Teil des Werftberichtes erst Mitte April rauskommen kann. Dann seht ihr hoffentlich das Ergbnis in voller Pracht von unserem Umbau.

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Kommentare: 8
  • #1

    Guido (Freitag, 23 März 2018 14:14)

    Bastel nicht so viel sonst ist die Saison schon wieder vorbei ;-) Im April habe ich eine Freiwoche wenn Wetter ist bin ich wahrscheinlich wieder in Plön.Viel Spaß noch. GUIDO

  • #2

    catcharly (Samstag, 24 März 2018 15:46)

    Bin schon gespannt auf die Testberichte!

    VG Charly

  • #3

    Carsten sagt (Samstag, 24 März 2018)

    Hallo Guido,
    bin am 16 und 17.04 in Plön für Deine Feinplaung. Geht mit dem Basteln, bin ja jetzt durch!

  • #4

    Carsten sagt (Samstag, 24 März 2018 18:24)

    Hi Catcharly,
    bin auch gespannt , mal sehen was es wird! Auf jeden Fall wird berichtet.

  • #5

    Peter Schütt (Samstag, 31 März 2018 21:07)

    Hallo Carsten
    Mit Spannung habe ich auf deinen ersten Werfbericht gewartet,deine Idee auf Travellerschiene umzurüsten ist vielversprechend und wohlüberlegt.Mein Prblem löst es leider nicht.Trau mich fast nicht es zu schreiben,aber wir fahren nicht mehr ohne Torqueedo Flautenschieber raus.In unseren Revieren haben wir ihn leider öfter einsetzen müssen.Also bei angeflantschtem,hochgeklapptem Motor,ist der Traveller bei Backbordbug nicht zu verwenden,weil selbiger im Weg ist.
    Ps: Klar ist der Evo ein ausgereiftes Produkt,aber es sind immer wieder die ineressierten Segler,die innovative Ideen haben,und ein gutes Produkt weiter verbessern.In diesem Sinne ,gutes Gelingen und frohe Ostern
    Lg Peter

  • #6

    Carsten sagt (Sonntag, 01 April 2018 15:30)

    Hallo Peter,
    stimmt mit einem Außenborder, egal welches Fabrikat, funktioniert es nicht mit einer Travelerschiene. Wie Du aber auch schon geschrieben hast, sollte man sein Boot für seine Bedingungen anpassen. Wir freuen uns schon auf das erste richtige Probesegeln mit unserem Evo auf unserem See und der Ostsee.
    Es freut mich oder besser gesagt uns, dass Dir unsere Artikel gefallen und Du sie mit Spannung erwartest.
    Danke dafür.

    Gruß Carsten

  • #7

    Rubbersolution (Dienstag, 24 April 2018 17:28)

    Ahoi,
    bei der Unterfütterung des Travellers mit dem Werkstoff "Filz" bin ich etwas skeptisch, da er sich im nassen Zustand verändern könnte. Da hätte sich womöglich ein festes Kunststoffmaterial angeboten?
    Für's Leichtwindsegeln wäre eine Travellerverstellung nach Luv schon wünschenswert ...
    Mit schiffigen Grüßen
    C. K. Gustav

  • #8

    Carsten sagt (Donnerstag, 26 April 2018 11:38)

    Hi Gustav,
    mit dem Filz könntest Du recht haben, wir werden es testen und am Ende der Saison 2018 wissen wir mehr. Ein Nach- oder besser Umrüsten ist ja jeder Zeit möglich. Die Luvverstellung benötige ich meistens nur bei ganz schwachen Winden. Da wir in der Regel erst ab 4 Windstärken unterwegs sind habe ich damit etwas weniger Probleme.

    Gruß Carsten