Das gelbe Segel

Heute wollen wir es uns gemütlich machen. Es ist geplant nach Bosau zu segeln. Dort gibt es ein nettes Strandcafè. In diesem Strandcafè, bekommt man einen ganz hervorragenden Erdbeer-Eisbecher. Ein weiterer Vorteil des Cafes ist seine Lage. Zwar befindet sich das Cafè selbst an der Badezone, aber ein Stück weiter ist ein Katamaranplatz. Dort kann man anlanden, zumindest für einen Eisbecher

Wir haben festgestellt das Kat- und Jollensegler häufig viel entspannter und kommunikativer sind als Yachtis. Wir vermuten, dass dies mit dem Alter zusammenhängt. Kat- und Jollensegler sind ja in der Regel junge Leute. Gabi und ich passen so gar nicht in dieses Schema. So machen wir uns startklar für einen schönen Sommersegeltag mit wenig Wind.

Aus dem Logbuch:

Wind zwei bis null Bouefort

Welle keine

Maximale Geschwindigkeit 21 km/h

Etmal 20 km

Lufttemperatur 26° Wassertemperatur 19°

 

Ganz gemütlich nehmen wir Kurs auf Bosau. Der Wind kommt wie fast immer hier im Norden aus SW. Dies bedeutet für uns, dass wir einige Kreuzschläge segeln müssen um an unser Ziel zu gelangen. Ich habe die Pinne an Gabi übergeben und räkel mich auf dem Trampolin in der Sonne. Schön sieht unser rot schwarzes Segel gegen den blauen Himmel aus. Unsere Bugwelle plätschert gemütlich  vor sich hin. Ich bin kurz davor einzuschlafen, was natürlich der Skipperin nicht gefällt.

 

Also drehe ich mich auf dem Trampolin um und erspähe in unser Nähe ein schönes leuchtendes gelbes Segel. Ich denke so bei mir, dass dieses Gelb sehr gut auf dem Wasser zu sehen ist. Das Segel gehört zu einem Nacra 18 Katamaran. Dieser Katamarantyp ist eine echte Granate. Der Nacra 18 ist eine olympische Bootsklasse mit dem entsprechenden Geschwindigkeitspotential. Heute kann er allerdings nicht so recht zeigen was in ihm steckt. Mit über 20 qm Segelfläche ist er selbst bei wenig Wind schneller unterwegs als wir. Für uns wäre so ein Katamaran nichts. Er ist zu schnell und zu sportlich für uns, dass haben wir Alten nicht mehr im Griff. Ich unterhalte mich mit Gabi über den Nacra 18 ein wenig und suche dann wieder das schöne gelbe Segel auf dem Wasser. Aber wo ist es denn ??  So schnell war der Nacra nun auch wieder nicht, dass er schon so weit weg wäre. Da sehe ich den Kat, allerdings ohne Segel und wenn ich es richtig sehe ohne Mast.

" Gabi ich glaube der Nacra hat ein Problem, kannst Du da mal hinsegeln ?" bitte ich meine Skipperin

"Klar mach ich, wo ist er denn"?

"Die beiden Rümpfe dort vorne mitten auf dem See", ich zeige mit dem ausgestreckten Arm in die Richtung.

" Okay , ich sehe ihn" kommt es zurück und meine Skipperin nimmt Kurs auf den Havaristen.

Wie immer gibt es Keine Fotos von dieser Aktion, wir wollen hier keinen bloßstellen.

Mal sehen was da beim Nacra los ist. bei dem schwachen Wind benötigen wir einige Zeit, um zum Havaristen zu gelangen. Bei der langsamen Annäherung können wir sehen, dass der Nacra tatsächlich seinen Mast eingebüßt hat. Der Nacrasegler selbst schwimmt neben seinem Boot und versucht das Rigg zu bergen.

" Bist Du verletzt", rufe ich rüber.

"Nein, alles Okay. Nur der Mast ist umgefallen"!

Der Mast hängt diagonal über dem Katamaran, der Mast hat eine Länge von ca. 10 Meter. Ziemlich unhandlich wenn das Teil liegt.

" Wir kommen mal längsseits, brauchst keine Angst um Deine Rümpfe zu haben wir sind wie ein großer Fender." Vorsichtig segelt uns Gabi an den Backbordrumpf des Nacras ran. Mittlerweile ist unser Nacrasegler wieder auf seinem Trampolin. Mir ist immer noch nicht ganz klar wie man bei fast null Wind den Mast verlieren kann. Diese Frage muss ich unbedingt los werden.

"Wie kommt es, dass Du bei diesen Bedingungen Deinen Mast verloren hast"?

"So ganz genau weiß ich das auch nicht, ich sah plötzlich etwas über das Trampolin rollen und da kippte auch schon der Mast um". Im Nachgang weiß ich, dass es der Backbord Wantenschäkel war der da rum kullerte, frag mich jetzt nicht warum dieser aufgegangen ist".

" Man da hast aber Glück gehabt das der Mast Dich nicht getroffen hat".

"Ja, das ist blöd gelaufen , aber hast recht das hätte auch schief gehen können".

Wie ich nun einmal als Berufsretter bin, lief bei mir im Kopf schon die Vorbereitung der Rettung ab.

 

 

" Am besten Du birgst das ganze Rig und holst das Segel auf das Trampolin. Wir bauen in der Zeit eine Schleppverbindung und versuchen Dich nach Bosau zu schleppen."

Gabi und ich besprachen den Plan. Der Mast des Nacras ragte etwas über die Bugspitze und unser Ruder ist so konstruiert das es auch nach Hinten herausragt. Gabi durfte beim Steuern auch nicht behindert werden. So baute ich aus unseren roten Leinen eine Art Dreieck welches unter Zug mit seiner Spitze hinter unserem Ruderblatt lag. An diese Dreiecksspitze schäkelte ich unsere Aufrichtleine als Schleppleine an.

" Wo kann ich am besten bei Dir die Schleppleine anschlagen"? normalerweise werden die Schleppleinen bei Segelbooten am Mastfuß angeschlagen. Das viel hier mangels Mast natürlich weg.

"Am besten vorne um den ersten Beam, dass müsste gehen" kam die Antwort.

Gabi brachte uns in Position, so das ich die Schleppverbindung herstellen konnte. Mittlerweile hatte unser Unglücksrabe sein ganzes Geraffel bei sich auf dem Trampolin.

Ich drückte uns ab und Gabi nahm Kurs Bosau.

Ganz langsam setzten wir uns in Bewegung, der Wind tendierte jetzt wo wir ihn brauchten gen null. So kamen wir wirklich nur im Schneckentempo voran.

Mittlerweile waren noch Bekannte von unserem Nacrasegler mit zwei Katamranen hinzugekommen.

Da aber jeder von ihnen alleine auf seinem Kat war konnten sie nicht wirklich eingreifen.

Wir kamen an eine Stelle wo man stehen konnte und konnten jetzt unsere Schleppverbindung lösen. Bosau Strand war in Sicht und von dort kam ein Kanu und übernahm unsere Schleppaufgabe.

Was für eine Schmach für einen Nacrasegler, von einem Schlauchkatamaran gerettet zu werden. Wir konnten schon sehen, dass es ihm sehr peinlich war im Schlepp von einer Gummiente zu hängen.

Eigentlich wollten wir heute nur gemütlich einen Eisbecher essen.

Bei uns steht auch nicht auf den Rümpfen "Rescue" , wie man vielleicht vermuten könnte.

Aber gerade für Rettungsaktionen sind unsere Rümpfe ideal. Sie machen nichts kaputt und bei Schwimmern die in Not sind wird keiner durch unsere Rümpfe verletzt, wenn wir ihn aus dem Wasser ziehen müssen. Zum Glück ist uns bis jetzt so eine Maßnahme erspart geblieben.

Na ja, auf jeden Fall haben wir mal wieder etwas erlebt.

Nach dem wir unsere Schleppverbindung gelöst hatten war es nicht mehr weit bis zu unserem Erdbeer-Eisbecher.

 

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