Sportsegeln

Wir sind wieder zurück in unserem Heimatrevier. Die Bedingungen sind heute ideal zum Katamaransegeln.

Aus dem Logbuch:

Wind 4-6 Beaufort

Welle ca. 50 cm kurze Abstände

Max. Geschw. 28 km/h

Etmal 12 km

Sonnig und es ist warm

Vorbereitungen zum Start
Vorbereitungen zum Start

Heute ist kein Ziel definiert. Wir wollen heute einfach nur segeln und zwar sportlich. Die oben angegebenen Windstärken sprechen glaube ich für sich. Da wir zu zweit unterwegs sind, ziehen wir das große Großsegel auf. Wäre ich heute alleine auf das Wasser gegangen, hätte ich mich für das Starkwindsegel entschieden.

Also rein in die Trockenanzüge und alles für einen Speed-Start vorbereitet.

Ach ja, Thema Trockenanzüge. Anfangs waren wir die einzigen Katsegler in unserer kleinen Gemeinde, die in Trockenanzügen segelten. Gerade die Schlauchis in Hightec-Anzügen! Mittlerweile tragen fast alle unsere Katsegler Trockenanzüge. Da muss dann doch etwas dran sein.

Für die Besucher und Feriengäste auf unserem Campingplatz ist es immer wieder ein Schauspiel, wenn sich wie heute drei Katamarane auf einen Segeltörn vorbereiten. Die Besucher sind immer wieder erstaunt, was wir alles anziehen, und das wir uns dann auch noch bewegen können. Ist ja auch einiges was man so anplünnt. Trockenanzug darüber die Trapezhose und darüber die Schwimmweste. Diese lässt uns dann komplett unförmig aussehen.

Heute wird der Wind gleich voll in das Großsegel greifen, daher müssen alle Leinen vorbereitet und das Trampolin aufgeräumt sein. Wir fahren unsere bewährte Taktik.

Ich halte den Evo im flachen Wasser gegen den Wind. Gabi bereitet auf dem Trampolin alles vor und übernimmt fürs erste die Pinne.

Wir müssen ein paar Meter auf den See segeln damit wir das Mittelschwert und die Ruderanlage senkrecht stellen können. Also los geht es!

Ich ziehe unseren Evo noch etwas in tieferes Wasser und hechte mehr oder weniger elegant auf das Trampolin. Sofort nimmt der Evo Fahrt auf. Nur unter Großsegel rauschen wir schon ab. Nach den besagten paar Metern dreht Gabi den Evo in den Wind. Schnell krabbel ich nach achtern und ziehe das Ruderblatt in die senkechte Position. Danach geht es nach vorne und das Mittelschwert wird in die Senkrechte gezogen. Gabi fällt wieder ab und ich übernehme jetzt die Pinne. Gabi rollt die Fock aus und nun machen wir richtig Fahrt.

Gabi klinkt sich sofort in den Trapezhaken ein. Ich falle noch etwas ab so steigt der Druck im Segel noch etwas. Jetzt kann Gabi sich rausschwingen und steht im Trapez.

Wow, wir schießen mit Gischtfontainen dahin. Auch die beiden Festrumpfkatamarane, welche mit uns draußen sind, haben gut zu kämpfen.

 

Wir segeln hart an der Kante. Das bedeutet, dass ich versuche maximale Geschwindigkeit zu segeln und gleichzeitig gut über oder durch die Wellenkäme zu kommen. Dabei sehe ich als Steuermann nicht immer alles. Die Gischt, welche die Rümpfe aufwirbeln, hüllt mich zum Teil vollkommen ein. Meine Vorschoterin ist begeistert! Wir jagen mit fast 30 km/h über die Wellenkämme hinweg. Zwei mal krachen wir so in eine Welle, dass ich Gabi im Trapez stehend in die nächste Welle getaucht habe. Zum Glück ist alles gut gegangen, meine Vorschoterin ist an Bord geblieben.

Heute geht es nur um Geschwindigkeit. Wir testen das Material wirklich hart, aber unser Evo schlägt sich wacker. Das haben wir ja auch schon auf dem Achterwasser gesehen. So ziehen wir heute unsere Bahnen immer genau da wo wir den meisten Wind haben. Um unser Großsegel schön flach fahren zu können, haben wir den Großschothaken, ganz vorne, zum Mast hin, in die Lochplatte eingehängt. Gleichzeitig haben wir den Cunnningham soweit stramm gezogen wie es uns möglich war. 

Durch die Oder-Haff  Tour wußte ich, dass unser Evo diesen Belastungen gewachsen ist. Wir genießen  diese Speedfahrten in vollen Zügen. Ich gebe zu, dass dies nicht jedermanns Sache ist mit 30 km/h über das Wasser zu zischen. Um so mehr freue ich mich, dass sich meine Vorschoterin da draußen pudel- wohl fühlt. Ihr geht es blendend!

Mir schwinden dagegen langsam die Kräfte. Zum Teil fahre ich die Großschot aus der Hand. Dies geht nur,  weil ich den original Grabnerblock gegen einen neuen Block mit einer Übersetzung mehr getauscht habe. Auch lässt meine Konzentration nach zwei Stunden nach. Ob man es glaubt oder nicht, wenn man ständig das Wellenbild und die Windböen im Auge behalten muss, ermüdet das. Wie gesagt, wir segelten die ganze Zeit im Maximalbereich. So beschließen wir nach gut zwei Stunden unseren Strand anzulaufen.

Gabi hat die Fock schon aufgerollt, da erwischt uns kurz vor dem Strand noch eine Hammerbö. Diese jagt uns mit einem affen Zahn auf den Strand zu. Im allerletzten Moment gelingt es mir einen Aufschießer zu fahren. Zum Glück weiß meine Vorschoterin sofort was zu tun ist. Sobald der Evo im Wind steht,  springt sie ins Wasser und hält den Evo mit den Bug in den Wind. Nun kann ich schnell die Großschot aushaken und das Großsegel bergen. Schnell ist Ruhe im Schiff. Alle weiteren Arbeiten können jetzt in Ruhe erledigt werden.

Aber was für ein Streß auf den letzten Metern, hätte nicht viel gefehlt und wir wären mit karacho auf den Strand gedonnert. Wenn wir dann plötzlich zum stehen kommen, kann es uns glatt vom Trampolin schleudern.

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