Mal wieder eine Kenterung mit Besonderheiten

Liebe Leser, zu diesem Blogbericht ein Wort vorweg. Wie schon öfters angemerkt, hat man in kritischen Situationen selten eine Kamara parat. Um die Situation zu diesem Blogbericht zu verdeutlichen nutze ich hier BIlder von unserer kontrollierten Kenterübung. Es macht das Beschriebene etwas anschaulicher.

Nun zu unserem Bericht, ich fange mal mit dem Logbucheintrag an, dann habt ihr schon ein Gefühl für die Wetterbedingungen.

Logbuch:

Wind 4 beaufort sehr böig drehend

Maximale Geschwindigkeit mit dem Evo 24 km/h

Gesegeltes Etmal 29 km

Wetter: super blauer Himmel

Temperatur Luft 26 ° C

Wassertemperatur 21 ° C

Die Windstärke ist für uns klasse und das Wetter allgemein lässt keine Wünsche offen. Somit ist klar das ist ein perfekter Segeltag für uns. Wir machen unseren Evo klar. Dies geht in der Regel nicht, ohne dass wir Irgendetwas an unserem Stellplatz vergessen haben. Wir haben schon echt alles einmal vergessen vom Großsegel über die Pinne bis zur Großschot. Irgendwie alles Dinge die man zum segeln doch benötigt. So ist Einer immer mal wieder auf dem Weg zu unserem Wohnwagen, um die fehlenden Gegenstände zu holen. Zum Glück geht es uns nicht alleine so, auch unsere anderen Katsegler kennen dieses Problem. Also alles gut soweit.

Nachdem wir unseren Evo klar hatten, ging es auf den See hinaus. Normalerweise ist ein vierer Wind genau das was wir brauchen um flott segeln zu können. Nur heute wollte es nicht recht vorangehen. Zudem drehte der Wind recht stark und ich musste regelrechte Haken schlagen um wenigstens etwas Speed zu machen. Auch meiner Vorschoterin gefiel dies nicht, wollte sie doch schön in das Trapez gehen.

Es blieb somit nur noch eine Option und die hieß die Seeseite wechseln. Unser See besteht aus zwei in etwa gleich großen Teilen. Diese beiden Seeteile sind durch diverse Inseln getrennt. Es gibt für uns Segler nur zwei Möglichkeiten aus Naturschutzgründen von einer Seite zu Anderen zu gelangen. Eine Möglichkeit ist von der Godauer Seite aus. Diese ist nicht besonders gut betonnt und selbst wir laufen schnell auf Grund sobald wir den Tonnenstrich verlasssen. So flach ist es dort. Die zweite Möglichkeit die Seeseite zu wechseln ist unsere berühmte Enge, wo auch das Fahrgastschiff passiert. Wir haben einen kräftigen Wind aus SW, dass bedeutet, wir haben den Wind genau auf dem Bug und müssen durch die Enge kreuzen.

Wir entscheiden uns für das Kreuzen und nehmen Kurs auf die Enge. Unsere Hoffnung liegt darin, dass unter Umständen bei dieser Windrichtung wir auf dem anderen Seeteil bessere Bedingungen für unser Speedsegeln antreffen. Mit drei Kreuzschlägen konnten wir uns durch die Enge segeln, es ist ja immer eine Besondere Herausforderung so eine Enge ohne Motorkraft zu meistern. Aber es geht erstaunlich gut. Wie man links im Bild sehr gut sehen kann ist der Wind hier nicht besonders stark, wir segeln in der Windabdeckung der Inseln. Für einen Katamaran und insbesondere für einen Schlauchi kreuzt unser Evo recht gut. Unsere Hoffnung auf besseren Segelwind erfüllten sich voll. Nachdem wir noch die letzte Insel passiert hatten, konnten wir Fahrt aufnehmen und meine Vorschoterin durfte sich in das Trapez begeben.

Nun macht das Segeln für uns richtig Spaß wir schießen mal wieder über das Wasser. Die wenigen Yachtis die jetzt noch draußen sind haben schon ein Reff in das Großsegel gebunden. So konnten wir auch mal wieder erstaunte Gesichter in den Cocpits der Yachtis bewundern, wenn wir mit mehr doppelter Geschwindigkeit an ihnen vorbei zischten. Gabi hatte auf jeden Fall jetzt ihren Spaß da draußen auf den Rümpfen. Ich hingegen muss mich doch recht konzentrieren um immer genügend Druck im Großsegel zu haben, damit meine Vorschoterin nicht baden geht. Nach gut einer Stunde lockt uns ein Cafe`. Wir kennen natürlich unsere ganzen Anlaufpunkte hier am See. So ging es zum Katamaran Club Ascheberg, wo sich das Cafe befindet. Was ich sehr nett finde ist; dass wir noch nie Probleme bei den Katamaran Clubs mit dem Anlanden für einen Kaffee hatten. Wir wurden und werden immer gerne an deren Strand gelassen. Meistens kommt es sogar zu einem kleinen

Erfahrungsaustausch.

Nach dem Kaffee planten wir unseren Rückweg. Dies sollte eigentlich ganz gut laufen. Der Plan sah vor, dass wir auf die gegenüberliegende Seite segeln und dann mit Rückenwind auf der Route des Fahrgastschiffes uns der Enge zu unserem Seeteil nähern. Gesagt getan , der erste Teil, die Seeüberquerung, lief auch recht entspannt, dann drehte ich nach Backbord und nahm Kurs auf die Inseln. Gabi und ich saßen ganz entspannt auf dem rechten Schwimmer und unterhielten uns. Aus unserer Perspektive ist die Betonnung des Naturschutzgebietes nicht klar zu erkennen. Wir kamen zu dicht an die Grenze und auch eine Insel versperrte uns den Weg. So legte ich gedankenverloren das Ruder. Unser Evo folgte auch brav diesem Befehl. Nun kam aber das Großsegel rüber und schon stieg der Luvschwimmer in die Höhe. Für uns gab es kein Halten. Wir wurden wie auf einer Rutsche von unserem Boot abgeladen und der Evo klappte förmlich über uns rüber. Schlagartig schießt bei einem der Adrenalinspiegel in die Höhe. Ich hatte den Evo an der Schotleine, da konnte schon mal nichts anbrennen. Wo ist meine Vorschoterin?? Ah, neben mir taucht auch Sie leicht verdattert auf. Soweit alles gut wir beide sind da und haben Kontakt zum Boot.

Jetzt laufen die eingeübten Mechanismen ab. Zu erst erklimme ich den im Wasser liegenden Schwimmer und helfe Gabi im Anschluß ebenfalls auf den Schwimmer zu gelangen. Im Anschluß rolle ich die Fock ein und löse die Aufrichtleine um Diese über den Schwimmer zu werfen, welcher in der Luft hängt. Gabi löst in der Zeit die Schot vom Großsegel, was gar nicht so leicht ist, da sie kaum an den Großschothaken kommt. Aber nach ein paar Versuchen gelingt es ihr den Haken vom Großsegel zu lösen. Auch ich benötige zwei, drei Würfe um die Aufrichtleine über den Schwimmer zu bekommen. Als alle Vorbereitungen zum Aufrichten abgeschlossen sind , lege ich mir die Aufrichtleine um die Hüfte und Gabi hält sich an der Drahtverstrebung unter dem Rumpf fest. Sie legt auch ihr Gewicht nach hinten und ratz fatz haben wir den Evo wieder auf beiden Schwimmern. Das lief wie geplant. Ich befinde mich auf Höhe des Mastes und kann unsere Einstiegshilfe unsere Strickleiter lösen. Mit ihrer Hilfe bin ich recht flott wieder auf dem Trampolin. Schnell ein Rundumblick, das Fahrgastschiff ist nicht zu sehen. Gut so, in der Regel kommt es immer in diesen ungünstigen Momenten vorbei.

Warum auch immer hängt Gabi plötzlich am Heck und hält sich an der Pinnenverlängerung fest.  Nun dürfen wir live einen Effekt erleben, den ich schon einmal beschrieben habe. Unser Evo fängt trotz gelöster Großschot Wind im Großsegel und nimmt dank Gabi am Heck Fahrt auf. Das Großsegel legt sich an die Wanten und das reicht. Gabi wirkt jetzt wie ein Ruder! Ich bin im Moment machtlos. Ich versuche Gabi um das Heck des Evos herum zur Seite mit der Leiter zu ziehen, dies gelingt mir erst im dritten Anlauf  und mit erheblicher Kraftanstrengung. Erstaunlich wie viel Fahrt wir machen.

Ich will aber meine Vorschoterin auch nicht zurücklassen und handel irgendwie instinktiv und nicht mit Überlegeung. Nachdem ich Gabi endlich an der richtigen Rumpfseite habe , kann auch sie recht schnell wieder das Trampolin erobern. Links im Bild kann man sehen, dass selbst so ein Schlauchrumpf für einen Schwimmer recht hoch ist. Ohne unsere Leiter würde Gabi es nicht schaffen an Bord zu kommen. Wir sind keine geübten Turner an den Ringen. Daher haben wir einfach nicht die Kraft uns nur mit der Armkraft hoch zu ziehen. Links hat Gabi nur den Neoprenanzug an bei unser Kenterung jetzt, hat sie den Trockenanzug und die Schwimmweste an. Das bedeutet, dass sie gar nicht so dicht an den Rumpf kommt wie im nebenstehenden Bild. Mittlerweile sind wir unkontroliert im Flachwasserbereich gelandet. Nicht schön und auch nicht gewollt. Wir nutzen die Gelegenheit und klarieren alles an Deck. Nach dem alles wieder klar ist verlassen wir unsere Insel an der wir regelrecht gestrandet sind.

Natürlich wurde diese Kenterung genaustens analysiert. Uns fällt auf, dass wir in der Regel immer dann in die Bredoullie geraten, wenn wir föllig relaxt sind. Wenn wir am Limit segeln sind wir beide so hoch konzentriert, dass uns dort so ein Fehler nicht unterläuft. Bei achterlichem Wind ist es eben nicht besonders schlau, das beide auf dem selben Schwimmer sitzen. Da ist das Gewicht der Crew nicht gut verteilt. Uns wäre vermutlich gar nichts passiert, wenn jeder auf einem Schwimmer gesessen hätte oder noch besser wenn ich mich in der Mitte vom Trampolin aufgehalten hätte. So war unser Gewicht zu einseitig verteilt und der Wind hatte mit uns leichtes Spiel.

Das Aufrichten nach der Kenterung lief sehr gut. Hier zahlt sich unser Training aus, alle Handgriffe saßen und auch das Material hat sich bewährt. Als Material sehe ich den Kenterball, die Aufrichtleine und unsere Einstiegshilfe an. Nur einen Punkt gibt es, den wir neu beachten müssen. Wenn wir zu zweit den Evo aufrichten, darf Gabi nicht zu weit hinten stehen. Sie muss dicht bei mir stehen, damit sie neben dem Kat ins Wasser kommt und nicht am Heck. Das war so im Nachgang betrachtet unser Problem. Dadurch bekam Gabi nur das Heck vom Evo zu fassen. Im Nachhinein betrachtet hätten wir diesen Teil der Kenterung viel cooler angehen können. Wir segeln heute schließlich nicht auf der Ostsee. Gabi hätte den Evo loslassen müssen um mir die Chance zu geben den Evo wieder unter Kontrolle zu bekommen. Dann wäre ich eine Wende gefahren und hätte sie wieder eingesammelt. Aber in dem akuten Moment wollte ich mein bestes Stück einfach nicht loslassen. Selbst wenn ich Gabi nicht hätte einsammeln können wäre es schwimmend nicht weit bis zur nächsten Flachwasserzone gewesen. Gabi hatte einen Trockenanzug an sowie eine Schwimmweste um. Die äußeren Bedingungen waren top. Also eigentlich alles im grünen Bereich. Da hilft nur üben um eben genau so cool zu reagieren.

Das mit dem Üben sagt sich aber immer leichter als es getan ist. Wenn wir segeln gehen, vermeide ich nach Möglichkeit eine Kenterung. Aber eigentlich müsste ich mich auch mal bewußt vom Boot gleiten lassen und Gabi müsste mich wieder einsammeln. Oder auch umgekehrt. Es ist immer besser solche Dinge in Ruhe und unter kontrollierten Bedingungen zu trainieren. Also haben wir für die kommende Segelsaison mal wieder eine Aufgabe!

Nachdem wir nun alles wieder klar haben ging es weiter zu unserer See-Enge. Diese konnten wir jetzt ganz locker mit achterlichen Wind passieren. Natürlich saßen wir jetzt besser verteilt, ich mitte Trampolin und Gabe auf dem Backbord Luvschwimmer. So konnte uns eigentlich nichts passieren.

Ach ja zwei Verluste sind auch zu beklagen.Obwohl ich meine Mütze und meine Sonnenbrille jeweils mit Bändern gesichert hatte sind sie mir bei der Kenterung abhanden gekommen. Gemerkt habe ich den Verlust aber auch erst nachdem wir schon wieder unterwegs waren Richtung Strand.

Der Rest des Rückweges verlief ohne besondere Vorkommnisse, aber wir sind nun um einige Erfahrungen reicher.

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