Kleiderfrage

Immer wieder aufs Neue stellt sich uns die Kleiderfrage Trockenanzug oder Neoprenanzug.

In diesem Frühjahr haben wir uns neue Neoprenanzüge gekauft. Anzüge ist nicht ganz das richtige Wort, wir haben uns für Zweiteiler entschieden. Wir sehen denVorteil darin,  dass man das Oberteil ausziehen kann wenn es richtig warm ist.

Mittlerweile hat sich über Europa ein Hoch etabliert und beschert uns seit dem 2. Mai sommerliches Wetter. Es darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Wassertemperatur nach wie vor bei 8 ° C liegt. Das ist verdammt kalt, selbst im Neopren. Da schwinden  schnell die Kräfte, wenn man ins Wasser fällt.

Aus dem Logbuch:

Wind 2-3 Beaufort

Sonne satt blauer Himmel

Gennakersegel ja

Temperatur an Land schon 24 ° C Wasser hatten wir ja schon mit 8° C erwähnt. Da herrscht noch ein gewisses Ungleichgewicht.

 

Der Wind ist leicht, die Lufttemperatur ist hoch, ich entschließe mich unseren neuen Neoprenanzug zu testen. Der Kampf geht schon beim Anziehen los, so richtig kommt man in diese Dinger nicht rein. Es ist ein ganz schönes Gewürge. Gut ist, dass wir einen Zweiteiler haben, so kann ich das Oberteil erst überziehen wenn ich unseren Evo an Land aufgetakelt habe. Sonst wäre ich vorher schon von innen total nass. Es sind doch immer einige Vorbereitungen zu treffen wie, Großschot anbauen, Pinne anbauen Gennaker setzen und testen und zum Schluß das Großsegel setzten. Dazu kommen noch einige Klöneinheiten. In der Regel brauche ich für das Ganze Drum und Dran doch fast immer 30 Minuten bis ich auf dem Wasser bin. Heute bin ich alleine unterwegs meine Vorschoterin muss arbeiten. Bei diesen Windverhältnissen ist ein Start alleine gut machbar. Kurz bevor ich unseren Evo am Strand slippe ziehe ich mein Neopren Oberteil über. Es ist alles sehr eng. Im Trockenanzug kann ich mich etwas besser bewegen, aber bei diesen Temperaturen ist das eine Einmann Sauna!

Ich bringe meinen Evo zu Wasser und setze ihn danach auf den Strand, damit ich den Bootswagen an Land bringen kann. Danach geht es zurück und mit einem leichten Schwung auf das Trampolin. Bis jetzt sind nur die Beine nass geworden, dies finde ich sehr praktisch. Ein nasser Hintern selbst im Neopren ist nicht so toll. Die üblichen Arbeiten auf dem Trampolin erfolgen jetzt in schneller Reihenfolge, damit ich meinen Evo steuerfähig bekomme. Nach dem Anfangsstress kommt die Relaxphase, gemütlich kann ich bei Kaiserwetter auf unseren See hinaussegeln.

Heute sind die Windverhältnisse so günstig, dass ich gleich zu Beginn den Gennaker setzen kann. Jetzt ist die Pinnenfeststellung, die Grabner sich ausgedacht hat, sehr hilfreich. Normalerweise habe ich mich über diese Konstruktion immer geärgert. Hat sich doch immer wieder eine der beiden Leinen vom Ruderblatt dort verhakt und man merkt dies immer erst dann, wenn man eine Wende oder Halse fahren will und dies nicht gelingen will, weil man die Pinne nicht bewegen kann. Es dauert immer ein wenig bis wir begriffen haben, dass sich mal wieder eine der beiden Leinen hinter der Feststelleinrichtung verhakt hat. Mittlerweile ist es bei uns Standard geworden die Leinen so an der Pinne zu vertüddeln, dass sie sich nicht mehr verhaken. Nun bin ich wie gesagt froh, dass ich die Pinnenfeststelleinrichtung habe. Bei diesem leichten Wind hält der Evo sogar einigermaßen Kurs. Das Großsegel öffne ich leicht mit dem Traveler, dann setze ich die Pinne fest. Danach rolle ich die Fock ein, dies geht bei uns jetzt wieder mit einer Hand. Kurze Kontrolle, der Evo ist noch auf Kurs, das ist prima. Nun benötige ich beide Hände, um den Gennaker abzurollen. Die eine Hand zieht an der Schot die andere führt das Seil der Umlaufrolle etwas nach.  Den Rest erledigt der leichte Wind. Er füll wunderbar unseren schönen Gennaker. Nun kann ich wieder zurück an die Pinne und das Ruder übernehmen.

Ich räkel mich wieder auf meinem Trampolin und genieße einfach das Dahingleiten und das leichte Plätschern des Wassers unter den Rümpfen. Die Lufttemperaturen sind so, dass ich mich im Neopren ganz gut fühle. Leider klebt Neopren wie eine zweite Haut an einem, dies wiederum finde ich unangenehm.Wenn man sich ständig im Wasser befindet wie die Taucher, dann ist es recht angenehm, aber so wie wir im trockenen Zustand empfinde ich es nicht so doll. Wobei im Trockenanzug würde ich heute auch gut schwitzen. Ich weiß nicht warum, aber viele Katamaransegler und die Sportsegler z.B vom 49er tragen Neopren statt Trockenanzüge. Zur Zeit sehe ich im Großen und Ganzen den Trockenanzug bei uns weiter als Favorit bei der Kleiderwahl.

Heute z.B. möchte ich bei diesen Wassertemperaturen nicht nass auf meinem Trampolin werden, ich glaube, dass mir trotz Neopren dann schnell kalt wird. Einfach durch den Windchillfaktor. Vom reinfallen mal ganz abgesehen.

Während ich mich so auf meinem Trampolin räkel und mal mit und mal ohne Gennaker segel, fallen mir zwei wunderschöne Holzjollen auf. Wir segeln ca gleich auf. Was mir auffällt ist, dass deren Besatzung überhaupt keine Schutzkleidung, nicht einmal eine Schwimmweste trägt, sondern nur kurze Hose und T-Shirt. Ich denke so bei mir, dass dies doch recht gewagt ist bei einer Wassertemperatur von nur 8°C. Aber na ja wird schon gut gehen, ist ja kein Wind und auch keine Welle, der See ist spiegelglatt. Was soll also schon groß passieren. Ich segel leicht vor den Jollen, plötzlich lässt mich ein Killen der Segel hinter mir stutzig werden. Ich drehe mich um und wundere mich über das killende Segel der Jolle. Dann entdecke ich den Grund für dieses außergewöhnliche Manöver. Einer der Segler ist außenbords. Wie das passieren konnte weiß ich nicht, aber seine Mitsegler sind auf zack. Das müssen sie auch, denn ohne Schutzkleidung hat der gute Mensch im Wasser nur 5 Minuten bis zur Bewußlosigkeit und weitere 3 Minuten bis zum Herzstillstand. Unsereins wäre vermutlich gleich hin durch den Temperaturschock. Ich bin ebenfalls dabei schon eine Notwende einzuleiten um den Seglern zu Hilfe zu kommen, aber sie sind wirklich gut und haben ihren Mitsegler schon wieder aus dem Wasser gezogen. Der wird jetzt auf dem Nachhauseweg ganz schön bibbern. Dieser kleine Segelunfall bei fast Windstille und völlig glattem See zeigt mir mal wieder wie wichtig die Schutzkleidung ist, auch wenn man fast eingeht.

Langsam geht der Wind gegen 0, so dass es Zeit wird in Richtung Heimat zu segeln. Nochmals den Gennaker für einen halben Schlag gesetzt und mein Evo und ich gleiten dahin. Nun muss ich den Kurs ändern also  Ruder festgestellt und den Gennaker eingerollt. Fock raus und zurück zur Pinne. Jetzt eine kontrollierte Halse gefahren und wir können den Kurs zu unserem Strand anlegen.  Dort kommen wir dann recht gemütlich an. Nachdem unser Evo aus dem Wasser ist, muss ich zu allererst das Oberteil von meinem Neopren ausziehen. Das geht mal gar nicht so einfach. Als dies geschafft ist kann zumindest meine Haut obenrum wieder atmen. Das empfinde ich wirklich als unangenehm am Neopren, dieses Gefühl, dass die Haut nicht atmen kann. Danach geht es als erstmal unter die Dusche. Auch das kennen wir in der Regel nicht von unseren Trockenanzügen. Wenn es nicht super heiß ist, können wir die Trockenanzüge ausziehen und es geht in normaler Kleidung weiter. Wir müssen nicht gleich unter die Dusche. So richtig begeistert sind Gabi und ich nicht vom Neopren, wir haben sie dieses Jahr einige Male getragen uns aber immer wieder gerne für unsere Trockenanzügen entschieden. Bei den Trockenanzügen ziehen wir je nach Wetter und Wind entweder kurze Sachen unter  den Anzug oder wenn es recht frisch wird sogar Fließoveralls. Aber wir beide finden dies wesentlich angenehmer als die enge Neoprenhaut. Auch wenn wir zum Kaffeetrinken segeln, können wir aus den Trockenanzügen aussteigen und uns in normaler Kleidung in das Lokal begeben. Das ist in unseren Augen wesentlich angenehmer als im Neopren.

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