Segeln mit den dicken Pötten

Klar Richtung Strand
Klar Richtung Strand

Es stand schon lange auf meiner Wunschliste mal mit meinem Evo zur Kieler Förde zu fahren und dort zu segeln. Diese Tage ist es nun soweit, Curt und ich haben uns einen fixen Termin gesetzt und los geht es.

Dieser Sommer ist ja außergewöhnlich und so ist der Abbau des Bootes einen Tag vor unserer Tour schon eine Herausforderung. Selbst in den Morgenstunden ist es schon recht warm. Leider haben sie für den nächsten Tag recht wenig Wind vorhergesagt, aber was solls wir hoffen auf eine kleine Ostseebrise. Nachdem der Evo im Kofferaum verstaut ist, geht es am nächsten Morgen recht früh los. Wir wollen so gegen 09:00 Uhr in Strande sein. Dort gibt es einen großen Parkplatz ( gebührenpflichtig), wo wir genügend Platz haben unseren Evo aufzubauen.

Bei unserer Ankunft ist der Parkplatz recht leer, was uns Beide leicht überrascht bei diesem Sommerwetter.

Wir nutzen den Platz und bauen in Ruhe unseren Evo auf. Der Mast wird ersteinmal nicht gestellt, da unser Weg zum Strand durch eine kleine Baumallee führt und wir dort mit gestelltem Mast nicht durchkommen. Das Aufbauen geht wie gewohnt zügig von der Hand, so dass wir in einer Stunde alles soweit haben, dass wir uns Richtung Strand begeben können. Wir nutzen für diesen Transport den Grabner Bootswagen. Wer diesen Bootswagen kennt, weiß dass er recht kleine Räder besitzt. Mit diesen Rädern kann man nicht durch losen Sand fahren. Daher müssen wir leider die letzten 70 Meter bis zum Wasser unseren Evo über den Sand tragen. Da merkt man schon die 75 Kg, aber mit zweimal absetzen ist auch diese Hürde genommen.

Die Startvorbereitungen am Strand
Die Startvorbereitungen am Strand

Bis jetzt haben wir Glück, der Strand ist noch nicht so stark besucht und wir können in aller Ruhe unseren Mast stellen. Dabei stelle ich fest, das es nicht schön ist einen Evo am Strand direkt aufzubauen, dieser feine Sand ist wirklich überall.

Ein älterer Herr gesellt sich zu uns und ist ganz begeistert von dem was wir hier treiben. Er erzählt uns, dass er auch gerne so etwas machen würde sich aber nicht so recht traut. Da wir aber auch nicht mehr die Jüngsten sind geben wir ihm Mut, einfach machen, sonst wird es nichts!

Mit dem Wind wird es heute wirklich schwierig, auf jeden Fall brauchen wir heute unseren Gennaker, wenn wir vorankommen möchten. Bei diesen Temperaturen haben wir uns für die zweiteiligen Neoprenanzüge entschieden.

Kurs See
Kurs See

Wir sind startklar ! Curt, wie gewohnt, an der Pinne und ich bringe uns soweit ins Wasser, dass wir bequem starten können, ohne die Schwimmer zu gefährden. An den Bildern kann man ja schon ganz gut erkennen, dass es heute schilliges Segeln wird. Fürs Erste versuchen wir bei dieser leichten Brise aus der Strander Bucht zu kommen. Rechts von uns liegt der Olympia Hafen Kiel Schilksee und links der Hafen von Strande

Ganz gemächlich schieben wir uns in die Förde hinaus. Grob segeln wir auf das Ehrenmal von Laboe zu. Da auf der Förde immer etwas los ist, haben wir reichlich zu schauen. Auf der Kieler Förde ist auch die Berufsschiffahrt unterwegs. Die meisten dieser Schiffe wollen gar nicht nach Kiel sondern möchten den Nord-Ostsee Kanal passieren. Dieser Kanal verbindet die Nordsee mit der Ostsee. Die Schiffe sparen im Vergleich zur Route um Skagen (Dänemark´s Nordspitze) 24 Stunden. Das ist eine Menge Zeit in diesem harten Logistik- Gewerbe.Natürlich sind auch eine Menge Yachten auf dem Wasser. Wir gleiten so ganz gemächlich aus der Bucht und schauen dem Treiben so zu. Nun heißt es für uns zu überlegen was wir heute bei diesen Windverhältnissen anstellen können. Der ursprüngliche Gedanke war nach Kiel rein zu segeln. Diesen Plan müssen wir so zu sagen über Bord werfen. Wir würden zwar nach Kiel segeln können, müssten aber den Rückweg aufkreuzen. Das ist bei diesen Windverhältnissen keine gute Idee. So beschließen wir Kurs Laboe bei zu behalten.

Die dicken Pötte haben immer Vorfahrt
Die dicken Pötte haben immer Vorfahrt

Ganz nach Laboe rüber wäre ohne weiteres mit unserem Boot machbar, nur nicht heute. Wir segeln bis an das betonnte Fahrwassser und leiten dann eine Wende ein. Wir segeln heute mit der wahnsinnigen Geschwindigkeit von 2 bis 6 km/h. oder Max 3 Knoten. Der im nebenstehenden Bild zu sehende Containerfrachter fährt mit 12 bis 15 Knoten konstant. Wir könnten das Fahrwasser gar nicht so schnell queren wie der dicke Pott da wäre. Da wir die dicken Pötte auch nicht in die Bedroulie bringen möchten, und wir auch um unsere Lage wissen, leiten wir an der Fahrwassergrenze die Wende ein.  Wäre mehr Wind so konstante 4 bis 5 Beaufort, dann wäre das Queren des Fahrwassers unter Beachtung aller Regeln zur Sicherheit kein

Thema für unser Boot. Dann wären wir schnell genug.

Pausen müssen sein
Pausen müssen sein

Nach gut drei Stunden gemütlichem segeln vor der Strander Bucht geht es jetzt auf den Leuchtturm Bülk zu. Curt kennt dort ein Lokal, welches sich für uns als Pausenort anbietet. Aber auch dieser Strand will erarbeitet werden. Auf diesem Kurs können wir keinen Gennker setzen und müssen uns mit Fock und Großsegel vorabeiten Auf den letzen Metern schläft der Wind völlig ein und ich muss zum Paddel greifen. Das schöne ist allerdings, dass das Wasser kristall klar ist, wir können die Fische ganz gut beobachten. Nach der mühseligen Anlandung an einem schönen Strand dürfen wir feststellen, dass das besagte Restaurant heute, am Montag, seinen Ruhetag hat. Na Prima! Es ist zwar Haupsaison und endlich mal ein toller Sommer hier im Norden und die Gastronomen benötigen kein Geld. Okay, ich sehe ein, auch sie benötigen einen freien Tag. Ist halt schade, da sich mit uns noch mehr Gäste die Nase stoßen. So kommt Plan B zum tragen. Etwas weiter, wieder in Richtung Kiel, gibt es eine Art Imbis mit Außenterrasse und dieser Imbis hat immer geöffnet!!! Also wieder rauf auf unseren Evo und zwei Buchten zurückgesegelt. Das geht jetzt ganz gut, da wir jetzt unseren Gennaker nutzen können. Langsam würden wir uns auch über ein Schattenplätzchen freuen, da die Sonne uns schon den ganzen Tag auf den Kopf brennt. Da bräuchten wir mal eine Sonnenpause .

Ganz langsam nähern wir uns der Surf Schule, wo sich auch der Imbis befindet, und landen am äußersten Rand an. Wir haben richtig Glück und ergattern einen schönen Platz im Schatten mit Blick auf die Förde und unseren Evo. Nun gönnen wir uns eine kleine Stärkung und etwas kühles zu trinken. Dass wir in Neopren dort erscheinen ist dank der Surfschule kein Problem. Nachdem wir es uns im Schatten bequem gemacht haben,  beobachten wir ein Containerschiff bei seinem Ankermanöver.  Wie auf dem Foto links zu sehen ist kommt ganz vorsichtig Wind auf. Wir beschließen noch eine Runde zu dem Containerfrachter zu segeln und dann den Rückweg Richtung Strande anzutreten. Frisch gestärkt geht es unter Gennaker wieder auf die Förde. Wir segeln gemütlich zu dem auf Reede liegenden Frachter.

 

 

Der Ankerlieger
Der Ankerlieger

Aber Achtung, immer Abstand halten: Die Frachter schwoien auch unter Anker. Schwoien heißt, sie bewegen sich mit dem Wind und der Strömung um ihren Anker. Es kann auch sein, dass der Frachter schlagartig Anker auf geht, da sollte man nicht in der Nähe sein. Dies nur als Hinweis für unsere Binnenländer. Mag jetzt super belehrend klingen, aber ich habe z.B überhaupt kein Gefühl für die Berge. Gefahren die Einheimische sofort erkennen bleiben mir als Flachländer verborgen. Ein Beispiel möchte ich hier nennen. Wir waren dieses Jahr noch am Gardasee (Geschichten kommen noch) und haben eine Radtour unternommen. Wir sind von 60 Meter( auf dieser Höhe liegt der Gardasee) bis auf 1300 Meter Höhe gefahren. Am See war es schön warm oben auf 1300 Meter war es verdammt kalt. Das hatten wir als Flachländer gar nicht berücksichtigt. Ist zwar logisch und trotzdem denkt man nicht daran. So ist eben auch mit den großen Pötten, wenn man nicht damit groß geworden ist, fehlt einem das Gespür für die Gefahren.

Wir segeln noch einmal bis zur Fahrrinne und dann kämpfen wir uns langsam wieder in Richtung Strand von Strande. Trotz der widrigen Umstände (zu wenig Wind) war es ein gelungener Tag. Nun ist der Strand sehr gut besucht und wir müssen uns ganz vorsichtig an den Katamaranstrand herantasten, um keinen Schwimmer zu übersehen. Bei diesenTemperaturen sind eine Menge Leute in der Ostsee.

Nach der Anlandung kommt noch mal ein anstrengender Teil. Wir müssen den Kat nochmals über den Strand tragen und dabei einen Slalom um die Sandburgen laufen. Nach dreimaligen Absetzen ist auch dies geschafft. Schnell ist der Mast gelegt und wir können wieder zu unserem Auto rollen.

Was ich ja schon eingangs schrieb sieht man hier links im Bild. Wir sind wieder auf dem Parkplatz und bauen unseren Evo ab. Dabei stoßen wir überall auf Sand und es knirscht überall. Mit dem Abbauen lassen wir uns Zeit. Erst jetzt merken wir, dass wir doch recht kaputt sind. Waren wir doch gut 6 Stunden auf dem Wasser. Eins steht schon mal fest wir kommen wieder, aber mit etwas mehr Wind. Wir haben mittlerweile auch eine kleine Slipanlage entdeckt, so dass man den Kat nicht über den Strand tragen muss. Es war ein besonderer Tag. Man segelt nicht alle Tage mit einem Schlauchkatamaran mit den dicken Pötten zusammen. Jetzt kommen noch einige Bilder von unserer Tour die einen kleinen Eindruck wiedergeben. Die Bilder könnt ihr anklicken, dann werden sie vergrößert!

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Kommentare: 2
  • #1

    Catcharly (Samstag, 09 März 2019 09:31)

    Hi Carsten,
    immer wieder schön zu lesen, deine Berichte!
    Beste Grüße
    Charly

  • #2

    Carsten sagt (Samstag, 09 März 2019 18:20)

    Da kann ich nur danke sagen!!