Einfach nur segeln

Wir haben mittlerweile mitte Mai und das Wetter ist ein Traum. Für heute sagen die Wetterfrösche maximal 3 Windstärken voraus. Idealer Wind für den Gennaker.

Aus dem Logbuch:

Wind 3 Beaufort abnehmend

Max Geschw. 23 km/h

Etmal 50 km

Lufttemperatur 22°

Wassertemperatur 15° C

 

Heute werde ich mal wieder alleine segeln, dies ist das Los, wenn man Schicht arbeitet. Es hat aber auch Vorteile. Ich habe den See fast für mich alleine. Nun stellen sich mir wie jedes Mal zwei Fragen. Soll ich das große Segel aufziehen oder doch besser das kleine Segel nehmen. Zweite Frage lautet soll ich den Trockeanzug anziehen oder Neopren anziehen. Die 15° Wassertemperatur lassen mich lieber zum Trockenanzug greifen. Allerdings nur mit ganz leichter Bekleidung darunter.

Jetzt noch die Frage des Segels. Ich greife lieber noch einmal zum Handy und checke die Wetter App. Größere Störungen sind nicht zu erwarten, somit bin ich heute mutig und greife zum großen Segel. Für die Leser, welche  sich noch nicht so durch diesen Blog gekämpft haben und sich fragen warum ich mutig bin? Sollte mich unerwartet eine 4èr  Windbö überraschen kenter ich bei meinem Kampfgewicht mit dem Evo sehr schnell. Daher greife ich eher zum kleinen Segel, wenn ich alleine unterwegs bin.

Die Fock hatte ich angeschlagen gelassen. Damit mir das schöne Segel nicht bei der Sonne ausbleicht habe ich mir bei meiner Segelmacherei (Frau Feldhusen, Kiel Schilksee) ein Verhüterli nähen lassen. Jetzt brauche ich nur das Großsegel und den Gennaker anschlagen. Den Gennaker schlage ich schon an unserem Standplatz an, um das Leinenwirrwarr besser zu überblicken. Nachdem ich den Gennaker angeschlagen habe kommt der Trockentest. Der Evo wird so gestellt, dass der Wind leicht von hinten in das Segel greifen kann. Aber Achtung nicht zuviel Wind. Ich habe den Rumpf auf dem Slipwagen und wenn ich zuviel Wind fange habe ich einen unkontrollierten Strandsegler. Das wäre nicht gut. Nachdem ich den Gennaker an Land jeweils auf jeder Seite aus und wieder eingerollt habe und alles funktioniert wird der Evo zum Strand verbracht. Jetzt erst setzte ich das Großsegel. Mir ist es schon passiert, dass ich bei viel Wind mit meinem Evo bei gesetztem Großsegel über den Bootsliegeplatz getrieben wurde. Sah bestimmt lustig aus, war aber für mich ziemlich blöd. Das liegt daran, dass unser Großsegel an den Wanten hängen bleibt und dadurch immer noch genügend Segelfläche bietet. Das ist nicht schön, aber nicht zu ändern. Das ist der Grund warum ich das Großsegel immer erst direkt am Wasser setze. Nun ist auch das erledigt und ich kann mich komplett anziehen. Bei diesen Lufttemperaturen ist das schon blöd mit dem Trockenanzug. Da wären mir kurze Hose und T-Shirt lieber, so wie es die Jollen und Kajütsegler machen. Aber was solls, safty first.

 

Am Paddelgrif vor der roten Tasche der ratschenblock des Gennakers
Am Paddelgrif vor der roten Tasche der ratschenblock des Gennakers

Zum Gennaker fällt mir gerade ein, dass wir ja die Ratschenblöcke noch versetzen wollten. Grabner sieht von Haus aus vor, dass diese Blöcke an den Augbolzen der Wanten angeschlagen werden. Wir fanden das nicht ganz so gut, da Gabi mich beim Arbeiten an der Gennakerschot immer fast außenbords befördert hätte. Daher haben wir uns entschlossen die Ratschenblöcke etwas nach vorne zu versetzen. Jetzt haben sie ihren Platz am vorderen Beam. Links auf dem Foto vor der roten Tasche und über dem Knauf des Paddels kann man den Block erkennen. Diese 20 cm verschaffen mir hinter Gabi den Raum, den ich benötige. Das Versetzen der Blöcke hat keine Auswirkung auf die Stellung des Gennakers, da seine Holepunkte nicht versetzt wurden. Nachdem ich gestartet bin und meine üblichen Arbeiten auf dem Trampolin verrichtet habe ,wie Mittelschwert setzen und Ruderblatt durchsetzen, kann ich den Gennaker schon gleich zu Beginn ausrollen.

Was für ein toller Segeltag, blauer Himmel, es ist warm und es weht ein leichter Wind. Ich bin heute froh, dass ich mich für das große Großsegel entschieden habe. Das kleine Segel wäre heute definitiv von der Segelfläche her zu klein gewesen. Das wäre eine harte Nummer geworden , so über den See zu schleichen. Das ist nix für Katamaransegler. Mein Evo und ich gleiten über den See wir haben jetzt 10 Kilometer schönstes Gennakersegeln vor uns. Einfach traumhaft.

Auf halber Strecke wird mir dann doch recht warm in meinem Trockenanzug. Da die Bedingungen heute wirklich entspannt sind, entschließe ich mich das Oberteil auszuziehen und mir um den Bauch zu binden. Ah, das ist doch schon ganz anders und erfrischender. Klar das ich jetzt darauf achten muss nicht über Bord zu gehen. Wenn mir das, aus welchen Gründen auch immer, jetzt passieren würde hätte ich ein echtes Problem. Aber manchmal muss man auch halt etwas riskieren. Zumindest ist mir klar, wenn ich über Bord gehe, dass ich den Trockenanzug so schnell wie möglich ausziehen muss um nicht abzusaufen! Das ist ja auch schon einmal was. Aber fort mit diesen trüben Überlegungen. Ich lümmel mich auf mein Trampolin und schaue entlang unseres schönen Segels in den blauen Himmel. Von Links kommt majestätisch der Seeadler an und überprüft ob es was zu holen gibt. Ist das nicht toll? Man liegt auf einem bequemen Trampolin in der Sonne, das Wasser plätschert leise unter den Rümpfen, die Segel leuchten und ein Seeadler kreist über einem. Mehr geht nicht, finde ich.

Nach 10 Kilometern heißt es jetzt den Gennaker einrollen. Ich fahre den Traveler etwas auf und setzte die Pinne fest. Jo, der Evo hält Kurs, nach vorne gerobbt und den Gennaker eingerollt. Nun zurück an die Pinne, die Fock kann ich jetzt problemlos mit meiner Einhandtechnik ausrollen. Der Kurs wird geändert, jetzt geht es hoch am Wind Richtung Strand Cafe und Richtung na ?? So ist es," Eisbecher!!

Nach diesem kulinarischen Erlebnis heißt es den Rückweg antreten. Jetzt muss ich natürlich ordentlich aufkreuzen, um wieder zurück zu kommen. Aber ich habe Zeit und genieße weiter diesen super Tag auf dem Wasser. Ich vermesse dabei den ganzen See und segel wirklich fast alle Buchten aus. Auf dem Rückweg kommt mir ein rot schwarzes Segel entgegen. Ich stelle fest, dass man unsere Segel gegen einen dunklen Hintergrund nicht so gut erkennen kann. Aber wir beide halten Kurs.

Happy cat Hurrican auf dem Plöner See mit freundlicher Genehmigung der beiden Segler
Happy cat Hurrican auf dem Plöner See mit freundlicher Genehmigung der beiden Segler

Nach einigen weiteren Kreuzschlägen habe ich den anderen Happy Cat erreicht. Es handelt sich, wie mir seine Besitzer zurufen, um einen neuen Happy Cat Hurricane . Sie sind recht flott unterwegs. Ich darf für unseren kleinen Blog Fotos schießen und möchte mich hier bei "Euch "liebe Unbekannte bedanken. Vielleicht lest Ihr diesen kleinen Blog und findet Euch somit wieder. Wie man gut erkennen kann, haben die Beiden Spaß und der Hurrican schnurrt dahin. Nach einem kurzen Austausch von Informationen geht es weiter. Ich segel noch ganz bis zum nördlichen Ende des Sees, um dann von dort meinen Heimweg anzutreten. Was für ein Tag, ich habe ihn in vollen Zügen genossen. Bei der Auswertung der GPS Daten bin ich selbst überrascht. Heute habe ich 50 Kilometer zusammengesegelt. Dafür war ich 5,5 Stunden unterwegs und es war nicht unbequem auf meinem Trampolin.

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